„Das sind oft genau die Mittel, die fehlen“ – Hamburg stärkt kleine Verlage
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Hamburg legt ein neues Förderprogramm für unabhängige Literaturverlage auf. Die Kulturbehörde stellt jährlich 700.000 Euro bereit, um kleine, konzernunabhängige Verlage mit Sitz in der Stadt finanziell zu unterstützen. Bis zu 25.000 Euro sind für einen Verlag an Förderung möglich. Bewerbungen für die erste Förderrunde 2026 sind ab sofort möglich. Kultursenator Carsten Brosda begründete den Schritt in der Landespressekonferenz mit der wirtschaftlichen Lage kleiner Verlage. In Deutschland erwirtschafteten zwei Prozent der Verlage rund zwei Drittel des Gesamtumsatzes, während der allergrößte Teil der Verlage weniger als eine Million Euro pro Jahr umsetzte. Steigende Kosten, sinkende Auflagen und geringere Sichtbarkeit führten dazu, dass wirtschaftliche Risiken zunehmend vermieden würden – zulasten der publizistischen Vielfalt. „Das sind oft genau die Mittel, die fehlen, um ein verlegerisches Risiko einzugehen“, sagte Brosda. Hamburg nutzt dabei eine Besonderheit seiner Struktur: Anders als in den meisten Bundesländern ist die Verlagswirtschaft hier dem Kulturressort zugeordnet. Bundesweite Lösungen seien über Jahre diskutiert worden, hätten sich bislang aber nicht umsetzen lassen. Die Stadt starte deshalb zunächst allein und hoffe, Erfahrungen für andere Länder zu sammeln. Gefördert werden sollen Verlage mit einem Jahresumsatz von bis zu zwei Millionen Euro, die seit mindestens drei Jahren in Hamburg ansässig sind. Voraussetzung ist, dass mindestens 75 Prozent der Einnahmen aus dem Verlegen von Literatur oder Sachbüchern stammen und jährlich mindestens drei eigene Publikationen erscheinen. Pro Förderrunde können Zuschüsse zwischen 10.000 und 25.000 Euro bewilligt werden. Gefördert werden Programmteile, nicht einzelne Bücher – etwa für Honorare, Übersetzungen, Herstellung, Vertrieb oder Marketing. Eine inhaltliche Bewertung einzelner Bücher, die ein Verlag verlegt, findet nicht statt. Laut Förderrichtlinie werden Programme nur dann ausgeschlossen, wenn sie rassistische, antisemitische oder menschenverachtende Inhalte verfolgen. „Wir entscheiden nicht über einzelne Titel“, sagte Brosda. Ziel sei es, unternehmerische Spielräume zu erhalten, nicht in Programme einzugreifen. Unterstützung kommt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Dessen Nord‐Geschäftsführer Volker Petri verwies darauf, dass Hamburg mit rund 78 Verlagen bereits zu den größten Verlagsstandorten zählt. Kleine Verlage seien wirtschaftlich besonders verletzlich, zugleich aber prägend für das literarische Leben der Stadt. Die erste Förderung gilt für das Jahr 2026. Ab 2027 soll das Programm jeweils über zwei Jahre laufen.
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